Elektroschrott, Nachhaltigkeit
Haufenweise Elektroschrott und Computerbauteile

Zugegeben, ich bin ein gebranntes Kind. Auch ich falle hin und wieder auf Influencer oder sogenannte Produkttester rein, die mir erzählen, wie wichtig es doch vermeintlich sei, die neuste Version von Produkt XY zu kaufen. Modern heißen die Modelle dann auch gerne mal „Mark II“ , „Mark III“ etc. Oder einfach per fortlaufender Nummer, je nach Präferenz des produzierenden Betriebs.

Der neueste Schrei in meinem Sammelsurium ist die Version 5 des beliebten DJI Osmo Mobile, einem Smartphone-Stabilisierungssystems, um wackelfreie Videoaufzeichnungen anfertigen zu können. Da ich regelmäßig für Kunden, aber auch aus journalistischen Zwecken Videos aufzeichne, dachte ich, könnte mir der „OM5“ dabei helfen, bessere Aufnahmen mit kürzerer Nachbearbeitungszeit zu realisieren. Doch weit gefehlt. Die 160 Euro Investition wurde mittlerweile – dank eines hervorragenden Kundensupports durch Amazon, rückabgewickelt und ich schreibe nach verflogener Wut diesen Text. 

Um es kurz zu machen: Gefühlt befindet sich die Software noch im Beta-Status, die Hardware, also der sogenannte „Gimbal“ selbst, fühlt sich billig an, die Tasten haben einen Druckpunkt wie bei der Hand einer Leiche. Wichtige Montagefunktionen fehlen, gegen Aufpreis gibt es dann einzelne Module zusätzlich (z.B. Licht), das vorhandene Equipment ist nicht zu verwenden. 

Nein Danke, sowas brauch ich nicht. 

Was uns Influencer andrehen wollen

Mittlerweile ist doch ziemlich genau wie folgt: Ein Produkt kommt auf den Markt, wird an Influencer versendet, diese werden, je nach Bekanntheitsgrad und „Hipster“-Fähigkeiten der Marketingabteilung zum Teil sogar zu Urlauben eingeladen (Stichwort GoPro) und danach folgen actionreiche, kinoreife Filmdokumente, die nachweisen, wie toll die Produkte sind.

Dass die meisten dieser Aufnahmen von professionellen Videographen angefertigt wurden, geschenkt. Lieschen Müller zu Hause wird dies nie in ähnlicher Art hinbekommen. Mir ist bewusst, dass Influencer Teil einer Marketingstrategie sind und selbst ich bin teilweise als Influencer tätig. Jedoch mit klarem Hinweis, sodass jeder weiß, was ihn erwartet. 

Braucht man jährliche Updates?

Die nächste Frage, die sich stellen sollte ist, ob man wirklich jährliche Produktupdates „braucht“. Braucht es beispielsweise jährlich eine neue GoPro? Mit Blick auf die letzten Modelle bleibt festzuhalten, dass der Unterschied zwischen Version 8, 9 und 10 marginal ausfallen. Natürlich auch hier wieder: Influencer stilisieren 7 % bessere Leistung zu einem „verdoppelten Produktspaß“ hoch, um die nächsten 500 Euro aus den Portemonnaies der Kunden zu ziehen. 

Wäre es nicht sinnvoller, nur alle zwei oder drei Jahre Produktupdates zu veröffentlichen, diese dann aber mit sinnvollen Erweiterungen und durchdachten Funktionen? 

Braucht es jedes Jahr ein neues Smartphone, nur um zu zeigen, dass wir noch eine minderwertige Kameralinse mehr verbauen können oder der Prozessor 5% mehr Rechenleistung bietet, die nur für 5 Prozent der Kunden von Interesse ist?

Wäre es nicht generell sinnvoller, durch Optimierungen der Softwares weiteres Potenzial frei zu legen? Ich möchte hier das Beispiel des Google Pixel-Smartphones bringen. Auch wenn der Hersteller mittlerweile jährliche Produktupdates bringt, werden regelmäßig durch sogenannte „Feature Drops“ neue Funktionen auf ältere Modelle gebracht. 

Und auch das Kameramodul, hatte sich beispielsweise seit der Version 3 nicht mehr verändert. Für fast vier Jahre. Doch die Fotos liegen heute noch auf Top-Niveau: Dank Künstlicher Intelligenz und Softwareoptimierung.

Wo bleibt die Nachhaltigkeit bei solchen Themen?

Diese Frage lässt sich leicht beantworten: Im Niemandsland. Hersteller wie Samsung verfügen über ein Smartphone-Portfolio im mittleren zweistelligen Bereich. Dreißig oder mehr unterschiedliche Modelle, in gefühlt 250 Farben zeugen von einem Wahn, der kaum noch begreifbar ist. Bei über 20 Smartphone-Marken auf dem Markt kommen beachtliche Summen an unterschiedlichen Modellen zustande.

Sinnvoll arbeiten hier tatsächlich nur Apple und Google. Google hat genau drei Modelle auf dem Markt, Apple ebenfalls – mit Glück bekommt man auch mal ein Vorjahresmodell im Abverkauf. 

Mittlerweile verzichten Hersteller auf unnötige Dreingaben wie Kopfhörer und Ladegeräte. Während die Kopfhörer eh meist von minderwertiger Qualität waren, bin ich beim Thema Ladegerät zwiegespalten. Auf der einen Seite gehört es zum notwendigen Betrieb des Smartphones dazu, auf der anderen Seite verfüge ich beispielsweise über zehn Geräte zu Hause. Mittlerweile nutze ich nur noch drei eigen gekaufte Schnellladegeräte mit USB-C, an die ich alles anschließen kann, unabhängig ihrer Adaptierung der Anschlüsse. 

Während man also freitags für die grüne Zukunft demonstriert, darfs beim Thema Smartphone und Neuanschaffung von Elektrogeräten gerne mal etwas opulenter zugehen.

Was ich fordere!

Ich möchte, dass Unternehmen nachhaltiger agieren. Beginnend bei hirnverbrannten Werbedeals im Multimillionenbereich – die wir als Kunde am Ende des Tages mitfinanzieren, über jährlich nachgeworfenen Produktupdates, bis hin zu Standardisierung von z.B. Geräteanschlüssen.

Nachhaltigkeit sollte in allen Bereichen gelebt werden. Smartphones könnten mit Vollausstattung ausgeliefert werden, über Software könnten dann Funktionen begrenzt, Leistungen freigeschaltet werden. Dadurch könnten mehr standardisierte Komponenten verbaut werden. Durch höhere Leistungen in den Geräten entsteht eine längere Nutzbarkeit. Dies erfordert weniger Neuanschaffung, gleichzeitig aber auch mehr Wartungsaufwand, da längerfristig Software auf dem neuesten Stand gehalten werden muss. Hier könnte man z.B. über intelligente Update-Systeme per Zubuchoption auch zukünftig Geld verdienen. Schalte per „Einmalkauf“ mehr Leistung am Gerät frei und sichere dir hiermit 2 Jahre weitere Software-Updates. 

Wer also mehr Nachhaltigkeit möchte, kann dies gegen Zahlung eines Einmalpreises eigenständig realisieren.

Auch hier noch abschließend eine kleine Anekdote: Durch meinen Beruf benötige ich ein ausdauerndes Smartphone. Bei meinem alten Gerät, einem Google Pixel 2, ist der Akku reif für die Tonne. Ansonsten funktioniert das Gerät, bis auf übliche Gebrauchsspuren, herausragend. Google hat leider nur den Support eingestellt, sodass es keine Software- und Sicherheitsupdates mehr gibt. Traurig, aber wahr. 

Ersetzt wurde das Gerät bei mir durch das Google Pixel 5. Um das alte Gerät nicht entsorgen zu müssen, habe ich es an meine Chef-Redakteurin verschenkt, die damit nun regelmäßig Produkt- und Storyfotos anfertigt. In unserem Magazin gedruckt, auf A4-Format, sehen die Bilder herausragend aus. Mit einem alten Smartphone aus dem Jahr 2016. Niemandem fällt auf, dass es sich dabei um Smartphone-Fotos handelt. Eben alles eine Frage der Perspektive und der Bildgestaltung. 

Was ich damit sagen möchte: Ja, meine Redakteurin kann ansprechende Bildgestaltung. Aber die eigentliche Message lautet: Prüft, ob ihr wirklich das neueste braucht. Spart lieber das Geld für eure Altersvorsorge, wenn es nicht unbedingt nötig ist, ein Gerät zu ersetzen. Damit fahrt ihr besser, vor allem im Alter.

Bildquellen

  • Elektroschrott: Quergestellt.com
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