Ralph Brinkhaus
Ralph Brinkhaus (CDU) im Bundestag / Bild: Tobias Koch

Die CDU bedient sich schon bei der ersten Regierungserklärung klassischer Oppositionsmittel. Es sei zu wenig, sich 90 Minuten am Koalitionsvertrag entlang zu hangeln, so der ohne Manuskript vortretende Oppositionsführer der CDU, Ralph Brinkhaus.

Er redete sich so lange in Rage, bis sein glatt rasierter Kopf zu glänzen begann. Gut für die Show, schlecht im Inhalt, mag man sagen.

Ralph Brinkhaus – Oppositionsführer mit Dampf

Denn Brinkhaus wusste quasi alles besser. Scholz habe zu wenig Begeisterung entfacht, er erwarte von der Bundesregierung Respekt und Kooperationsbereitschaft, eine klare Haltung gegenüber Russland, den sofortigen Stopp vom „Sägen am Fundament der Schuldenbremse“ und vieles mehr.

Einziger Lichtblick mag die Absage an die Zusammenarbeit mit AfD und Linke gewesen sein. 

Was Brinkhaus in seiner teils wütend wirkenden Rede offenbar nicht merkte: Während er der neuen Koaltion in allem „zu wenig“ und „zu schwach“ vorwarf, kritisierte er auch indirekt die Arbeit seiner eigenen Partei über 16 Jahre hinweg. 

Man wolle als CDU in der Opposition der Bundesregierung „ihr Bild vom Land und ihre Vorstellungen durch Anträge aufzwingen“, so der CDU-Oppositionsführer weiter. 

Schlimm ist eigentlich nur, dass die CDU dies 16 Jahre lang als kanzlerstellende Partei hätte machen können.

Und so verkam die erste Chance der CDU in der Opposition zu einem wilden um sich schlagen in überheblicher Besserwisserei. 

Aber auch von Olaf Scholz wünscht man sich in der Zukunft etwas mehr Leidenschaft, da hatte Brinkhaus nicht unrecht. Den Elan des Ralph Brinkhaus hätte man sich in manchen Teilen auch von Olaf Scholz gewünscht, insbesondere, als es um die Bekämpfung der Fackelzug-Anhänger und Politikerbedroher ging.

Scholz: Ein bisschen Scholzomat war das schon …

Denn von Aufbruch war bei dem klassisch hanseatisch unterkühlten Scholz wenig zu spüren. Die Worte der Empathie hingegen beherrscht der Sozialdemokrat. Man mag ihm Glauben, wenn er davon spricht, den Unmut vieler Menschen zu verstehen, die sich vorsichtig verhalten haben. 

Scholz war noch nie ein Mann der lauten Worte. Hoffentlich wird er noch ein Mann, der mitreißen kann. Ansonsten muss er diese Arbeit seinen Koalitionskollegen Lindner und Habeck überlassen – warum eigentlich auch nicht? 

Olaf Scholz war immer stilsicher und über jede Emotion erhaben. Dies sind durchaus Eigenschaften, die er mit seiner Amtsvorgängerin Angela Merkel gemein hat. Doch manchmal wünscht sich die Bevölkerung vielleicht auch jemand, der mitreißt. Mitreißen auf einem Weg, der für viele Menschen teuer und beschwerlich wird – mit Aussicht auf eine bessere Zukunft. Ein bisschen Aufbruch würde da vielleicht dann doch nicht schaden. Dies wird aber wohl Christian Lindner und Robert Habeck übernehmen – mit viel Charisma, Vision und vor allem Temperament.

Bildquellen

  • Ralph Brinkhaus: Tobias Koch
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