Kinder corona Schule

Corona reduziert Bildungschancen unserer Kinder!

Die Bildung unserer Kinder leidet durch Corona besonders. Jetzt droht auch nach den Sommerferien Wechselunterricht. Ich finde das unverschämt!

Zeichnen wir einmal den „Ist-Zustand“: Die Covid-19-Inzidenzwerte sinken in den einstelligen Bereich. Die Zahl der Neuinfektionen liegt auf niedrigsten Ständen, die Intensivbetten werden glücklicherweise immer weniger belegt, europaweites Reisen ist möglich und sogar in Fußballstadien finden sich (in Deutschland) bis zu 15.000 Menschen ein, in anderen Ländern das bis zu vierfache. Und auch der saarländische Drittligist 1. FC Saarbrücken verkauft bereits Dauerkarten für die neue Saison. Das Impfen schreitet, wenn auch mit langsamen Schritten voran, die Herdenimmunität rückt näher. Un auch die Wissenschaft überschüttet uns mit aktuellen Erkenntnissen (Hohe Wirksamkeiten von Moderna, Biontech und AstraZeneca, auch gegen die Delta-Variante, teilweise besteht jahrelanger Schutz bei Biontech und Moderna). Man könnte also durchaus von „gebremster Normalität“ sprechen.

Geht es jedoch um den Schulbetrieb, ziehen die Politiker die Handbremse. So sagt RKI-Chef Lothar Wieler, die Test- und Maskenpflicht an Schulen soll unabhängig der Infektionslage bis Frühjahr 2022 ausgedehnt werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) äußerte sich ähnlich. Man werde im Herbst und Winter weiter Schutzmaßnahmen brauchen, darunter Masken oder Wechselunterricht, Tests oder Abstand. Und auch in der saarländischen Landesregierung gibt es offenbar unterschiedliche Auffassungen, wie der Unterricht nach den Sommerferien weitergehen soll. So sagt bereits jetzt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU, Bernd Wegner, dass je nach Ausbreitung der Delta-Variante und dabei ausgehender Gefahr für Kinder, auch wieder Wechselunterricht eingeführt werden müsse. SPD-Fraktionschef Ulrich Commercon bezeichnete diesn Vorschlag als „mit das Bescheuertste“ was man an Corona-Maßnahmen-Werkzeugkasten habe.

Und damit steht er nicht allein. Spanien beispielsweise hatte kaum Unterrichtsausfall oder Homeschooling. Und in den USA und Kanada wurden bereits 10 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren geimpft. Und auch unser Nachbar Frankreich hat Schulen offen gelassen, bis gar nichts mehr ging. Viel länger als in Deutschland.

Kinder haben in Deutschland offensichtlich keine Lobby. Anders als der Deutsche Fußballbund, der Tourismusverband oder die Wirtschaft. Dass Kinder durch die Corona-Maßnahmen hart getroffen wurden, steht außer Frage. Dass Kinder krank wurden, Depressionen bekamen und massiv Bildungschancen verwehrt bekamen, ist ebenfalls unstrittig.

Übrigens: Mitte Juni wurde eine Studie von der Frankfurter Goethe-Universität veröffentlicht, die sich mit dem Thema der „Wirksamkeit des Homeschoolings“ beschäftigte. Zitat: „Die durchschnittliche Kompetenzentwicklung während der Schulschließungen im Frühjahr 2020 ist als Stagnation mit Tendenz zu Kompetenzeinbußen zu bezeichnen und liegt damit im Bereich der Effekte von Sommerferien“. Kinder haben im Homeschooling also so viel gelernt, wie in den Sommerferien. Besonders stark seien die Einbußen bei Kindern und Jugendlichen aus „sozial benachteiligten Elternhäusern“. Damit habe sich die Schere zwischen Arm und Reich bereits jetzt weiter geöffnet.

Einzig positiv: Das „onlinelernen“ habe sich vielerorts in den letzten Monaten verbessert.

Doch statt endlich bundesweit verpflichtende Maßnahmen in den maroden Schulgebäuden Deutschlands vorzunehmen (Stichwort UV-Filter, Lüftungsanlagen, etc.) überlegt man offenbar tatsächlich einfach wieder das „aussperren“ der Kinder. Lieber nimmt man das Geld für „kostenlose Masken“ in die Hand (die waren nie kostenlos, weil aus Steuergeld finanziert), ermöglicht Großkonzernen wie beispielsweise Mercedes-Benz und Volkswagen, dass sie ihre Mitarbeiter in die Kurzarbeit auslagerten und gleichzeitig die Dividende den Aktionären verdoppelten, da man ja „gut durch die Krise kam“ (auch hier gilt: durch Steuergeld auf dem Rücken der Allgemeinheit).

Man kann sagen: Unsere handelten Politiker haben ein Herz für Fußball, nicht aber für Kinder. Während volle Fußballstadien keine Drehscheibe für Corona-Mutanten darstellen, sind es in euren Augen die Schulen.

Nein, nicht die Kinder sind „schuld“. Ihr Politiker seid es. Ihr verweigert seit Jahrzehnten große Investitionen in Bildung, in Schulinfrastruktur, Internet, Digitalisierung der Klassen. Stattdessen schmeißt ihr das Geld mit vollen Händen in die Rachen der gierigen Wirtschaftsbosse. Seit Monaten, übrigens auch vor den Schulschließungen, forderten Zahlreiche Wissenschaftler die Anschaffung von Luftfilteranlagen in Schulklassen. Und auch Ende Juni forderten die Aerosolforscher in Deutschland erneut die Anschaffung von Filteranlagen. Pro Klasse braucht es einen Luftfilter zu einem Preis von etwa 3000 Euro. Viele Kommunen weigern sich, für ihre Schulen diese Gelder zu investieren. Stattdessen soll man Lüften. Ist es kalt, wird halt nach Bundeskanzlerin Angela Merkels (CDU) Prinzip gearbeitet: Kniebeugen und Klatschen. Über die Gründe, weswegen sich die Bundesregierung weigert, in die Bildungshoheit per Verordnung einzugreifen, kann man nur spekulieren: Ich glaube, es ist Faulheit und Geiz, den Aufwand für die Anschaffung sowie die Kosten hierfür zu übernehmen. Man hat ja mit „Homeschooling“ eine Alternative, auf Kosten der Allgemeinheit, der Arbeitgeber und am Ende der Kinder und der reduzierten Bildungschancen.

Sollten Bundes- und Landesregierungen im Herbst erneut derart versagen und Schulen schließen, müssen sich alle Wählerinnen und Wähler Gedanken machen, ob sie die aktuell handelnden Parteien noch wählen können, nachdem, was sie ihren Kindern und Enkelkindern angetan haben.