Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach | Bild: Karl Lauterbach

Was der neue Gesundheitsminister der Bundesrepublik Deutschland in seinem ersten Tweet als Bundesminister im rheinischen Flaps als „Jetzt beginnt das Projekt“ beschrieb, wurde ohne Einarbeitungszeit ernst. Karl Lauterbach muss den ausgetretenen und oftmals konzeptlosen Weg des alten Ministers Spahn sofort verlassen und mit klarer Argumentationskette vor das Volk treten.

Und dies macht er. Sein erster offizieller Tweet als Gesundheitsminister lautet: „Die Gesundheitspolitik kann aus meiner Sicht nur erfolgreich sein, wenn sie sich an der evidenzbasierten Medizin orientiert. Die wichtigste Aufgabe für das Haus ist, die Pandemie zu beenden.“

Die Marschroute ist also vorgegeben: Die Pandemie beenden. Dass dies eine Mammutaufgabe ist, weiß Lauterbach. Und er legt nach.

Die ersten Ankündigungen aus dem Gesundheitsministerium klingen nach Aufbruch: 

  • Am Freitag Inventur mit allen Fachbereichen um zu prüfen, wie viele der geforderten 30 Millionen Impfdosen bis zum Jahresende wirklich verimpft werden können
  • Prüfung, welche Impfdosen an welchen Standorten lagern
  • Bestehende Lieferverträge für Januar prüfen
  • Weitere bilaterialen Verträge für mehr Impfstoff rechtlich möglich sind, eruieren

Am Donnerstag legte Lauterbach noch einmal nach. Er sei „mit den Herstellern in direktem Kontakt, um Impfstoff zu besorgen“, sagte Lauterbach am Donnerstag in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“. „Ich warte gar nicht ab, bis wir an diesen Punkt gekommen sind, sondern ich gehe wirklich in die Beschaffung rein schon jetzt“, so der Gesundheitsminister.

Das werde „auch“ mit der Europäischen Union abgestimmt, aber offenbar nicht nur. „Es finden auch bilaterale Gespräche statt“, sagte der Epidemiologe.

Man erkennt: Der neue Gesundheitsminister möchte vorplanen und nicht rationieren. Bazooka statt Limitierung. 

Und wie ernst es dem Mann, der durch seine markanten Fliegen bekannt wurde, ist, wurde am Donnerstagabend erneut deutlich: Sollte die Omikron-Mutation vorherrschend werden in Deutschland, wird nur noch der vollständigen Impfstatus haben, der auch geboostert, also die dritte Impfung bekam. 

Auf den Einwurf von Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans, dass dann auch genügend Impfstoff vorhanden sein müsse, entgegnete Lauterbach: „Selbstverständlich. Das ist Voraussetzung“. Und er ließ keinen Zweifel aufkommen, dass er gewillt und fest entschlossen ist, genügend Impfstoff vorrätig zu haben.

Lauterbach die Alarmtröte

Der Vorwurf, Prof. Dr. Karl Lauterbach sei das Corona-Kassandra oder „Deutschlands Alarmtröte“ lässt ihn kalt. Zu oft lag er – für die Verstorbenen – leider richtig.

Ruhm, für den sich der Politiker nichts kaufen kann. 

Als Bundesminister muss er seinen Ton mäßigen. Seine Worte haben jetzt mehr Gewicht. Er wird in die Rolle hineinwachsen müssen. Zuzutrauen ist es ihm.

Und für die Bewältigung der Coronakrise wird Deutschland vermutlich keinen besseren Gesundheitsminister bekommen können – auch wenn er mit seiner klaren, oftmals strengen Haltung in den Maßnahmen im Kampf gegen das Virus anecken wird.

Da sind seine Parteikollegen und Ministerkollegen gefragt, gemeinsam mit einer Stimme zu sprechen. Gelingt dies, wird die Pandemie zügig beherrschbar sein. 

Das Volk ist gefragt

Damit dies gelingt, ist zweifelsohne das Volk gefragt. Die Menschen im Land müssen mitziehen, dem Mahner vom Rhein Vertrauen schenken. Hierfür braucht es klare Kommunikation mit Zielen und Freiheiten beim Erreichen der Ziele.

Und ein geschlossenes Vorgehen der gesamten Regierung. Was nach Corona passiert, ist offen. Kann Karl Lauterbach Ministerium? Das ist eine Frage, die sich aktuell nicht seriös beantworten lässt.

Es wäre schön, wenn es der neue Bundesgesundheitsminister schafft, die medizinische Versorgung, die Zustände in der Pflege in Bezug auf Arbeitsbedingungen und Entlohnung, aber auch in der Nachwuchsförderung voranzutreiben.

Deutschland braucht mit Blick auf die Demografie ein robustes, starkes Gesundheitssystem mit Respekt vor den dort arbeitenden Menschen, der über das Klatschen und Kerzen aufstellen hinausgeht. 

Viel Arbeit für den neuen Minister.

Bildquellen

  • Karl Lauterbach: Karl Lauterbach
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